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NOVEMBER

IM REICH DES KRANKEN KÖNIGS

MIT SEINER GLETSCHERZUNGE HAT DER DACHSTEIN DAS SALZKAMMERGUT GEFORMT - MIT DEM GLETSCHER SELBST GEHT ES RAPIDE ZU ENDE


Blickt er rundum, könnte Seine Majestät der Dachstein eigentlich zufrieden sein. Soweit sein Auge reicht, hat er das Salzkammergut zu der traumhaften Landschaft gemacht, die sie heute ist. Bis in den Hausruck hat sich sein Gletscherteppich einst während der Eiszeit erstreckt. Als er sich klimabedingt wieder eingerollt hat, hat er das Land unter seinen Eismassen gehörig geschmirgelt und geschliffen und die zahlreichen Seen des Salzkammergutes stehen gelassen. Schon fast zu Hause am Dachsteinmassiv hat er vor rund 11.000 Jahren im Gosautal zu seinen Füßen auf 1.400 Meter Seehöhe jenes Sandsteinplateau freigegeben, auf dem mit dem Löckermoos ein alpines Hochmoor entstanden ist.

 



Baggersee der anderen Art

In der Staunässe auf der Lehmschicht über dem Sandstein konnte nichts anderes als Moos gedeihen. Während die Spitzen immer weiterwuchsen, verwandelte sich das absterbende Grün darunter im Lauf der Jahrhunderte in Torf. So viel Torf, dass er noch bis ins 19. Jahrhundert gestochen wurde. In derartigen Mengen, dass sich der Aushub nach und nach mit Moorwasser füllte und zum Löckensee wurde. Sein Wasser bezieht dieser Baggersee der anderen Art ausschließlich aus dem Moorkörper. Es ist so sauer, dass weder Fische noch Schnecken noch Krebse darin leben können, sondern nur einige wenige spezialisierte Tier- und Pflanzenarten – und, der Legende nach, ein ungefähr drei Meter langer weißer Wurm. Ihn, den „Löckerwurm“, hat allerdings schon lange niemand mehr zu Gesicht bekommen.
Anders als den Wasserläufer und die Blauflügel-Prachtlibelle, die hier im empfindlichen Ökoystem des Sees und des umgebenden Dickichts von Heidel- und Preiselbeerstauden, Moos und den namensstiftenden „Löckern“ (Latschen) leben. Für seine BesucherInnen ist es meist Liebe auf den ersten Blick. Niemand kann – und will – sich seiner speziellen Atmosphäre entziehen. Zur Massenattraktion taugt das Hochmoor trotzdem nicht. Zwei schweißtreibende Wegstunden trennen das stille Naturdenkmal von der Gosau. Bei NATURSCHAUSPIEL führt die Gosauer Wanderspezialistin Betty Jehle die Besucher zu diesem Hochmoor – die Auffahrt zum Moor erfolgt mit einem Bummelzug.

König Dachstein verliert seinen weißen Mantel

So still und friedlich das Leben im Hochmoor auch dank der Umsicht der menschlichen Gäste dort seinen Gang geht, so dramatisch sind die Szenen, die sich vis-à-vis auf der Brust seines Schöpfers abspielen. Denn auf dem Dachstein schmilzt der Gletscher in atemberaubendem Tempo dahin. Sommer für Sommer wird der weiße Mantel von König Dachstein dünner und kleiner, Jahr für Jahr muss er mehr von seinem Steingerippe entblößen. Das geht zwar schon seit dem Ende der kleinen Eiszeit um 1850 so, doch noch nie so schnell wie in den letzten Saisonen. In Wasserlitern bemessen, gehen die jährlichen Verluste von Hallstätter, Gosauer und Schladminger Gletscher in die Milliarden. Über 1 Milliarde Liter Wasserverlust und eine Eisdeckenminderung von fast 40 cm schlugen in der Bilanz des Hallstätter Gletschers von 2006 auf 2007 zu Buche. Jahre mit Höhenverlusten von einem Meter Eispanzer und mehr folgten, mit kleinen Verschnaufpausen und geringeren Abgängen zwischendurch. Über zwei Meter Dicke büßte das schrumpfende Eisfeld von 2014 auf 2015 ein. Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Der Dachstein wird zum Mahnmal des Klimawandels. Schiliftstützen, die auf dem Schladminger Gletscher des Dachsteins erst 2008 ins Eis betoniert wurden, stehen inzwischen nutz- und sinnlos auf blankem Stein. Plastikfolien bewahren neuralgische Eispunkte vorerst noch vor dem Abschmelzen, während eine neue Liftstützengeneration noch ein paar Jahre Schivergnügen auf Oberösterreichs höchstem Berg gewährleisten soll – ein Vergnügen mit Ablaufdatum, wie es aussieht.


 

vermittler bettina jehle c robert maybach

 

NATURVERMITTLER/IN IM PORTRÄT

BETTINA JEHLE

 

„Frohnatur“ steht unnachahmlich treffend auf dem T-Shirt, in dem Betty Jehle zum Fototermin kommt. Genauso gut könnte es „Energiebündel“ heißen. „Ich habe ein Kämpferherz“, bekennt die quirlige Gosauerin fröhlich. Zweimal die Woche bestreitet die Waldpädagogin und Wanderführerin einen Infoabend für die Gäste. „Erlebnis Gosau“ nennt sich, was dem Bummelzugführer genauso zugutekommt wie dem Bootsvermieter.

 

Jehle selbst nimmt die Interessierten für ihr Leben gern auf eine ihrer vielen Touren mit. Die Großen ins Löckermoos, auf Kasroas, zur Fossilienwanderung oder rund um den Gosaukamm; die Kleinen auf Wichtelwanderung oder zum Trekking mit den Eseln der Nachbarn.

Im Winter lotst die gelernte Köchin und Servicefachkraft mit zahlreichen Hüttendienstjahren ihre BegleiterInnen auf Schneeschuhen zu den schönsten Winkeln ihrer Heimat. „Ich geh‘ auch nur mit einem Gast“, sagt Jehle, „sonst ist der enttäuscht und kommt nie wieder.“

Im Schnee ist die Tochter aus bestem Schischulhause besonders in ihrem Element. Ein Vierteljahrhundert lang hat sie AnfängerInnen allen Alters das Schifahren beigebracht und ihre eigenen Geländefahrkünste bei einem längeren Intermezzo in Ischgl vervollkommnet. In Tirol war sie „nebenbei“ auch Wanderreitführerin mit fünf eigenen Pferden. Seit die Alleinerzieherin einer Tochter vor ein paar Jahren das Heimweh plagte, hat sie das Eine und Andere aufgegeben. Nun „beschränkt“ sie sich auf’s Führen – mit einem Tourenpensum, das für zwei reicht.

 

art blindschleiche c h bellmann archiv biologiezentrum linz

 

TIERPORTRÄT DES MONATS

DIE BLINDSCHLEICHE

EINE FALSCHE SCHLANGE

 

Die Blindschleiche (Anguis fragilis) gehört zu den häufigsten Kriechtieren in Österreich. Aufgrund ihres beinlosen Körpers wird sie häufig für eine Schlange gehalten, auch dass sie blind wäre, ist ein verbreiteter Irrtum. Die Echsenart innerhalb der Familie der Schleichen bevorzugt feuchte sowie lichte Wälder und Waldränder, aber auch Viehweiden und Wiesenbrachen. Ihre Winterruhe hält die Blindschleiche in Erdlöchern. Sie ist zur Freude vieler Gärtner oft in naturnahen Gärten mit Laub-, Reisig- oder Komposthaufen anzutreffen, wo jede Menge Nacktschnecken von ihr vertilgt werden. Ihre Paarungszeit ist im Frühling. Im Sommer kommen dann vollständig entwickelte Jungtiere zur Welt, die Füchsen, Iltissen, Dachsen oder Greifvögeln als Futter dienen. Leider wird die Blindschleiche häufig Opfer von Hauskatzen, Straßenverkehr oder Mäharbeiten.

 

gewinnspiel

Gewinne für eine Gruppe von 10 Personen die Tour „Naturerlebnis Löckenmoos". Fülle einfach das Formular aus & los geht´s! Viel Glück!

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Die Gewinnspiele werden monatlich durchgeführt, Frist bis jeweils 30ten des Monats. Die Verlosung erfolgt bis zum 7ten des Folgemonats, die Gewinner werden schriftlich informiert. Hier die Teilnahmebedingungen

NASP17 Highlighttour naturerlebnis loeckenmoos

NATURERLEBNIS LÖCKENMOOS

Nach der geselligen Auffahrt mit dem Gosauer Bummelzug wandern wir auf historischen Pfaden durch das Deckenhochmoor Löckenmoos. Vorbei am kleinen Moorsee und sagenhaften Karsthöhlen entdecken wir seltene Pflanzen und die heute noch aktiven Schleifsteinbrüche. Dabei genießen wir den Ausblick auf das überwältigende Bergpanorama des Gosaukammes und die Einkehr in eine urige Almhütte.

MEHR DETAILS >

NASP17 ThemenVorschau DEZ

RELIKTE DER VERGANGENHEIT

Auf Spurensuche in der Welt unserer Vorfahren